Löwenpalais Lounge
 
 
Berliner Kultur 
Sinnvolle Alternativen und Ergänzungen

Berlin versucht in diesem Frühjahr, Kunstmetropole zu sein. Gleich zwei Mega-Ausstellungen locken Kunstinteressierte aus dem In- und Ausland an die Spree; die Anselm-Kiefer-Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie und nun die „Metropolis\" - Inszenierung im Martin-Gropius-Bau. Gleichzeitig nutzen viele hiesige galerien die Gunst der Stunde und bieten den oft von weit angereisten Händlern, Künstlern, Sammlern und dem allgemeinen Publikum Ausstellungen, deren Vernissagen geschickt auf die Zeit um die \"Metropolis\" - Premiere herum getimt waren.
So wurde einen Tag davor in der West-Berliner galerie \"Anselm Dreher\" die Schau \"Erase the Past\" des Konzeptkünstlers Jochen Gerz eröffnet, die Dreher in\' Zusammenarbeit mit Andreas Weiss von der OstBerliner \"galerie Vier\" zeigt. Acht Fotoarbeiten des zweifachen Documenta - Teilnehmers, die Erich Honeckers Hochstand in der Schorfheide darstellen, sind in der Pfalzburger Straße zu sehen, jede mit dem Wort \"Erase\" beschriftet. Doch erst die acht Pendants in der Wilhelm - Pieck-Straße - der Blick vom Hochsitz auf die harmlose deutsche Landschaft (Gerz), darüber \"The Past\" - machen die ungewöhnliche Exposition zur deutschen Vergangenheitsbewältigung komplett.
In der \"galerie Vier\" können Berlin-Gäste zugleich \"exotisches\" Ost-Berliner Flair mit Plasteböden und Kohleöfen erleben, bevor sie sich in Kneipen und Restaurants von \"westlichem Standard\" treffen, wie zum Bier im \"1900\" oder zum Essen bei \"Aphrodite\" in Prenzlauer Berg,
Ein DAAD-Stipendium seiner Frau Esther Shalev-Gerz hatte den Aktionskünstler Jochen Gerz, der sich seit langem konzeptionell mit Sprache und Bild beschäftigt, 1990 länger nach Berlin und an seinen Geburtsort Blankenfelde zurückgeführt. Seit 25 Jahren lebt er in Paris, doch \"von dort betrachtet ist Deutschland sehr nah\", meint Gerz, der sich in seiner Kunst immer wieder mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzt, insbesondere auch mit der Judenverfolgung. Ihre wenig populäre Thematik könnte die Schau durchaus zu einer Gegenveranstaltung zu dem Mammutspektakel \"Metropolis\" machen, meint Galerist Dreher.
Eine ergänzende Ausstellung dagegen präsentiert die gemeinnützige Kunststiftung Starke in der Königsallee 30 - 32 in Wilmersdorf. Das Löwen-Palais ist das Domizil der von dem Berliner Fabrikanten und Konsul Peter Starke vor seinem Tod 1987 gegründeten Stiftung. Die 37 Skulpturen und Rauminstallationen für die Ausstellungspremiere wurden vom Museum für zeitgenössische Kunst
(ELAC) in Lyon übernommen.
In einem Festzelt hinter der prächtigen Villa durften sich geladene Metropolis\" - Gäste und Sponsoren vor der Eröffnung von Status of Sculpture\" an Sekt und Häppchen laben. Natürlich bewirtete der smarte Gastgeber sie auch, weil er die Spitzen der Gesellschaft für die Unterstützung seiner lobenswerten Kunst-Initiative gewinnen wollte.
Das 1903 erbaute Palais wird derzeit in seinen Originalzustand zurückversetzt und soll nach dem Umbau ständig mehreren Künstlern Wohnräume bieten. Mit Stipendien nach Art des DAAD - Programms will Starke jun. sie in die Kunstmetropole Berlin holen, arbeiten könnten sie in Ateliers einer alten Tresor-Fabrik im Wedding.