Paul Huginn Kunstwerke wie gestylte Katastrophen der Welt
Das Löwen-Palais strahlt die edle Ehrwürdigkeit eines traditionsreichen Gebäudes aus, aber in seiner fast 90jährigen Geschichte hat die Grunewaldvilla so etwas noch nicht gesehen: Im Vordergarten die Karosserie eines amerikanischen Polizeiautos, das sich in Einzelteile zerlegt, platt wie eine Flunder an den Rasen schmiegt.
Die Stiftung Starke eröffnet mit diesem Blechwerk des kalifornischen Künstlers Dustin Shuler sowie Arbeiten von neun weiteren Objekt-Künstlern aus New York die erste Ausstellung in den neu entstandenen Kunst-Räumen.
Die Pläne für eine künstlerische Nutzung des Palais bestehen schon lange, doch Geschäftsführer Jörg Starke, Sohn des Stiftungsgründers, hatte sich vorgenommen, keinem der bisherigen Bewohner den Mietvertrag zu kündigen. Auch jetzt sind noch einige Räume von regulären Mietern bewohnt, andere werden auswärtigen Künstlern für Berlin-Aufenthalte zur Verfügung gestellt.
Das zukünftige Programm im Palais umfaßt neben Malerei und Bildhauerei auch Architektur, Design, Musik, Literatur und Neue Medien. Somit verwundert es kaum, daß sich die Ausstellung im Palais inhaltlich zum Teil auch an einem anderen aktuellen Ereignis orientiert, an der "Metropolis" - Ausstellung im Walter-Gropius-Bau, So sind die Künstler Robert Gober und Jon Kessler mit ihren Werken an beiden Orten zu sehen. Die Ausstellung, ursprünglich für das Museum für zeitgenössischen Kunst in Lyon konzipiert und dort gezeigt, wurde von dem Kunsthistoriker Bernard Brunon aus Texas zusammengestellt.
Die Skulpturen geben einen komprimierten Einblick in die aktuelle, objektorientierte Richtung der amerikanischen Kunst. Makaber das von Robert Gober gestaltete Zimmer, dessen Mustertapete wechselweise einen erhängten und einen schlafenden Mann abbildet.
Originell das aus einem Tonband mit der Musik der Beatles gehäkelte Kissen von Christian Marclay. An der amerikanischen Realität wie Wäsche an der Leine hängen die Sammelsurien bedeutungsschwangerer Objekte von Cady Noland. An einer Metallstange geraten Sternenbanner, Handschellen, eine Pestizidpumpe und ein Blindenstock in aggressiven Zusammenhang. Ebenso aufreizend die rosa gekachelten und dennoch pickeligen Quader von Tishan Hsu, die die gemütliche Atmosphäre eines infizierten Waschraumes verbreiten.
So wird die Welt in dieser Schau zu einer gestylten Katastrophe, die so wie Laurie Parsons welker Tannenbaum zwischen leeren Bierdosen und Picknickmüll sorgefältig arrangiert ist.
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