Guido Schirmeyer Bérangère Palix im Löwenpalais
"Eine bezirzende Stimme mit zart ironischem Zungenschlag und wunderbar pampigem Charme"
attestieren Kritiker dem Spatz aus Friedrichshain; "Libellule" (Libelle) nennt die Südfranzösin
Bérangère Palix ihr CD-Debüt, das sie heute zum Auftakt einer französischen Chansonreihe im
neuen "Salon en Chanson" des Löwenpalais vorstellen will, begleitet von ihrem Pianisten Jan
Hofmann und präsentiert vom Radiosender Multikulti, der hin und wieder Lieder der Palix spielt
und für den die hauptberufliche Chansonette nebenbei übersetzt. Die Stärke des zierlichen
Temperamentbündels ist der Live-Auftritt: Mimisch, gestisch, wild artikulerend inszeniert
Bérangère Palix ihre Stücke: Knallt die giftgrünen Pumps der Liebhaberin aus dem Schrank ihres
Mannes in die Ecke, rät aber betrogenen Frauen, solche Dinge lieber schweigend zu ignorieren.
Zu theoretisch schien der jungen Frau ihre "Analyse der Darstellung der Diktatur und der Figur des
Diktators", mit der sie in Germanistik abschloß, "und beim Schauspielunterricht schlug mein Herz in
den Gesangsstunden höher". So fand sie die Seele im Chanson und lebt seit sieben Jahren als
Sängerin in Berlin. Bei ihrem ersten Auftritt, nachdem sie ihre paradiesische Heimat, die Ardèche,
verlassen hatte, warb sie für den Beaujaulais primeur im "Goldenen Anker", einem Ecklokal an der
Greifswalder. Auf dem Sprung in den Löwenpalais, einem der größten Bauten der Grunewalder
Villenkolonie, lagen die derzeit üblichen Stationen aller Kleinkünstler: Grüner Salon, Schlot, BKA.
Ihr vorläufiges Ziel: Die Bar jeder Vernunft! Mit eigenen Liedern und Chansons ihrer Helden Boris
Vian oder Charles Aznavour im Repertoire. Sogar Bécauds "Nathalie" interpretiert Palix mit ihrem
zarten Stimmchen.
"Die Welle der Nouvelle Scène Française mit den neuen französischen Stars gibt auch uns ein
wenig Aufwind", freut sich Bérangère Palix als Teil der in Berlin lebenden französischen Künstler.
Im Berliner Chanson-Milieu tut sich was, seit dem das französische Militär aus dem Tegeler
Quartier Napoléon abgerückt ist. Etwa ein Dutzend Musiker agieren auf den Kleinkunstbühnen,
jedoch kaum beachtet von dem Berliner Bureau Export de la Musique Française, bedauert Palix.
Umso mehr freut sie sich über das Engagement des Galeristen Jörg Starke, dessen Auftrag es ist,
in seiner Stiftung junge, talentierte Künstler zu fördern. Bisher traten in seinem Talentschuppen in
der "almost famous"-Reihe anglo-amerikanische Musiker auf. "Französische Beziehungen gefallen
mir auch", schwärmt der Galerist, "schon meine erste Skulpturen-Ausstellung ging Ende der
Achtziger nach Lyon". Und schließlich: "Das ganze Leben ist doch ein Chanson".
Bérangère Palix, Löwenpalais, Königsallee 32, S-7 Grunewald, Bus 119 Haltestelle Hasensprung,
Tel. 825 76 85, Heute 20 Uhr, 13 € ermäßigt 10 €
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